Jeder kennt Intuition aus der persönlichen Erfahrung und aus den Gesprächen mit anderen. Und doch gibt es keine eindeutige Definition. Das Wort „Intuire“ bedeutet so viel wie „von innen sehen oder wissen“.

Wie will man etwas beschreiben für das es nur begrenzt Worte gibt? Ein schwieriges Unterfangen, weil wir den kognitiven Bereich verlassen bzw. ergänzen, wenn wir uns für intuitive Einsichten öffnen.

So haben bedeutende Wissenschaftler wirklich neue Erkenntnisse über innere Prozesse erfahren. Auf diese Erfahrung weist Albert Einstein hin, wenn er sagt:

Der Verstand spielt auf dem Weg der Entdeckung eine untergeordnete Rolle. Es findet ein Sprung im Bewusstsein statt, nennen Sie es Intuition oder was Sie wollen, und die Lösung kommt zu Ihnen und Sie wissen nicht wie und warum.

Das heißt nicht, dass das kognitive Denken unwichtig ist. Es bringt uns an einen Punkt, an eine Grenze, wo es nicht mehr weitergeht mit unserem bisherigen Verständnis und Konzept. Mit Hilfe einer guten Frage überschreiten wir diese Grenze, lenken die Wahrnehmung nach innen und bekommen von unserer Intuition neue Impulse für die Reflektion.

Der Schweizer Psychiater C.G. Jung verstand Intuition als eine von vier psychologischen Grundfunktionen: Intuition, Fühlen, Empfinden, Denken. Die Intuition hilft Verborgenes zu erforschen und zu erfahren, das wir aus dem Tiefenbewusstsein in Form von Symbolen uns Bildern empfangen. Diese – im positiven Sinne – irrationale Funktion ergänzt grundlegend die Ratio und führt über ihre Grenzen hinaus.

Während bei der Ratio immer der Zweifel des Denkens bleibt, stellt sich bei intuitiven Wissen plötzlich Sicherheit ein, auch wenn man es nicht logisch begründen kann.

Das liegt auch daran, dass unsere intuitiven Fähigkeiten aus einer Zeit kommen, in der wir noch eine Sprache zur Verfügung

hatten – der präverbalen Zeit. Ein Kleinkind folgt seiner Intuition ganz selbstverständlich ohne groß nachzudenken. Das war übrigens in den entwicklungsgeschichtlich frühen Kulturen ganz genauso.

Die Stammesmitglieder verständigten sich telepathisch und die intuitiven Zugänge des Spürens und Wahrnehmens waren noch sehr ausgeprägt, wie die folgende kleine Geschichte zeigt:

„Wenn auf der Pazifikinsel Togo ein Kind geboren wird, führen die Frauen des Dorfes mit der Mutter zusammen ein Ritual aus. Sie nehmen ihr Baby mit in den Wald und versammeln sich um das soeben angekommene Wesen. Sie sitzen bei dem Kind, spüren den einzigartigen Spirit des Neugeborenen und in einem bestimmten Moment produziert eine der Frauen einen Ton. Eine andere Frau fügt einen Ton hinzu, eine weitere schließt sich den beiden ersten an, und so entwickelt sich unter den Versammelten allmählich ein Lied, das völlig einzigartig und nur für das Baby bestimmt ist.

Solange das Kind lebt, an seinen Geburtstagen und anlässlich anderer, rituell wichtiger Zeitpunkte versammeln sich die Frauen und singen das Lied. Und wenn das Kind etwas Böses tut oder krank wird, wird es nicht bestraft oder medizinisch behandelt, sondern die Frauen versammeln sich bei ihm und singen das Lied, um es daran zu erinnern, wer es ist. Auf diese Weise wird der Verlauf des Lebens dieses Wesens während seines ganzen Lebens mithilfe seines Liedes unterstützt.

(aus dem Buch: „Die Heldenreise“, Stephen Gilligan und Robert Dilts)

In dem obigen Beispiel empfinden sich die Menschen noch nicht voneinander und der Natur getrennt, sondern eng verbunden. Daraus schöpfen sie Kraft und Weisheit für den Umgang miteinander und mit der Natur.

Im Zuge der Aufklärung bzw. unserer modernen Gesellschaft ist dieser spirituelle Zugang aus dem Blick geraten. Die Beschäftigung mit der Intuition ermöglicht es uns wieder an diese Dimension des Seins anzuknüpfen und sie mit dem modernen Leben zu verbinden. Die gegenwärtige Situation in der Welt bringt uns an Grenzen, die wir nur mit Hilfe dieses Zuganges überschreiten bzw. meistern werden.

„Mit Hilfe der Intuition greifen wir auf ein größeres Wissen zu, das nichts mit unserem privaten Wissen zu tun hat, es ist die Sichtweise in die größere Welt.“

(Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, Quantenphysiker)

Die verschiedenen Ebenen der Intuition

„Der Körper weiß alles. Wir wissen sehr wenig. Intuition ist die Intelligenz des Organismus“ — Fritz Perls

Der Körper gibt uns Signale für intuitive Entscheidungen. Du spürst körperlich, dass etwas stimmig ist oder auch nicht. Über das Wohlbefinden oder das Unwohlsein nehmen wir Balance oder Imbalance wahr. Das setzt voraus, dass wir in einem achtsamen Kontakt mit unserem Körper stehen und seine Signale fein wahrnehmen. Sie bringen uns in Verbindung mit der Weisheit des Körpers und der Quelle der Intuition. Die einfachste Brücke, die vom kognitiven Denken nach innen führt ist der Atem. Über seine Betrachtung gelangst du tiefer und tiefer nach innen.

Widerstandslosigkeit bedeutet nicht unbedingt, nichts zu tun. Leiste lediglich deinem Gegner keinen Widerstand, sondern sei im Fluss und siege.“ Eckhart Tolle

In Verbindung mit dem Körper nehmen wir den feinen Fluss der Energie bzw. seine Blockaden wahr. Im Hara, dem Energiezentrum im Bauch baut sich die Energie auf, die für intuitives Handeln wesentlich ist. Der Bauch gilt von jeher als energetisches Zentrum der Intuition. Interessanter Weise atmen Kinder ganz natürlich mit dem Bauch, während sich bei den Erwachsenen der Atem nach oben verflacht.

Aus dem Hara schöpfen zum Beispiel die Meister der östlichen Kampfkunst Kraft und Energie und das intuitive Wissen, um den „richtigen Schlag“. Sie wissen genauso wie manche Weltklassesportler, die intuitive Weisheit für ihren Erfolg zu nutzen.

„Man kann vieles unbewusst wissen, indem man es nur fühlt aber nicht weiß.“ Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Natürlich ist Intuition auch mit dem Thema Gefühl verbunden. Gemeint sind hier nicht emotionale Muster, die uns automatisch handeln lassen, sondern eher das Gefühl von innerem Frieden und Gelassenheit. So gibt eine Reihe emotionaler, individueller und kollektiver Muster, die den Zugang zur Intuition

erschweren, wie z.B. mangelndes Vertrauen in sich selbst, andere und die Welt. Wenn ich die Welt von Anfang an als einen sicheren Ort erlebe, wächst dieses Vertrauen. Ist das nicht der Fall, ist auch der Zugang zur Intuition erschwert und man neigt mehr dazu an den Impulsen aus dem Inneren zu zweifeln.

Vertrauen ist eine Oase des Herzens, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird.“ Khalil Gibran

Wenn du plötzlich etwas weißt, oder dir eine bestimmte Idee oder Antwort kommt, erfährst du auch den mentalen Aspekt der Intuition. In diesem Sinne führt sie zu geistiger Klarheit und reicht weit über die begrenzte Sichtweise konditionierter Denkweisen hinaus.

Natürlich greifen die verschiedenen Ebenen ineinander und sind in der Praxis nicht voneinander zu trennen.

Januar die Weisheit der Intuition im Coachingprozess

„Die Intuition ist eine spirituelle Kraft. Sie leitet uns auf unserem Weg, sie bringt uns voran und lässt unsere Füße und Hände und unseren Bauch dem Großen Geist dienen.“ Gabriele Roth

In unserem ersten Ausbildungsmodul für Integrales Online- Coaching im Januar widmen wir uns dem Thema Intuition aus verschiedenen Perspektiven. Hilft sie dir doch Raum zu schaffen im Coaching, in dem wirklich etwas Neues geschehen kann, anstatt der üblichen Anpassungsoptimierung.

Die Beschäftigung mit der/des Intuitiven (Archetypenarbeit) verbindet dich mit dieser kollektiven Tiefenkraft. Und wir erforschen Muster, die deine intuitiven Zugänge auf verschiedenen Ebenen blockieren (Integrale Kinesiologie).